25.09.2013, 12:16
(24.09.2013, 20:38)Tash schrieb: Nun sind wir ja längst schon in medias res, und ehe wir uns noch tiefer drauf einlassen, wüsste ich gerne etwas von dir, Foggy.
Ja, das höre ich oft.
Zitat:Warum wäre physische Realität für dich überflüssig, nur weil sie keine Gefahr mehr enthält?
Das berührt eben auch die Frage nach dem (physischen) Lebenszweck. Grundlage unserer hiesigen Existenz ist es doch grob gesagt, zu lernen oder zu erproben, Realität über das Medium träger Materie und schneckenlangsamen Zeitprozessen zu erschaffen. In nicht physischen Realitäten entfällt das weitgehend, weil Gedanken und Gefühle sich mehr oder weniger unmittelbar in einen erfahrbaren Ausdruck zeigen. Das heißt, sie sind nicht dem zähen Wachstums- oder Reifungsprozess unterzogen, so wie wir ihn hier erleben.
Ich will nicht allzusehr ins Detail gehen. Aber an meinem "Film-Wochenende" ist mir eines sehr deutlich geworden. Nämlich eine Angst, die sich ganz gut versteckt hatte bisher. Das ich nicht völlig "Stofftierfrei" bin, ist klar. Aber ich hielt mich immer für einen weitgehend angstfreien Menschen. Die Grundlage für diese durchaus vorteilhafte Einstellung wurde mir auch halt schon früh vermittelt. Eine starke, sehr auf mich wirkende These lautete damals: "Der Mensch stirbt nicht wirklich. Er verlässt lediglich die körperliche Hülle. Es gibt definitiv ein Weiterleben nach dem Tod", so in etwa und in aller Kürze. Ich glaube es, ich weiß es.
Nun, mit solch einer Gewissheit ist es möglich, potenziellen Gefahren schon einmal sehr gelassen, besser gesagt: unbekümmert zu begegnen. Das Motto lautet, das größte Risiko ist es, kein Risiko einzugehen. Ich gehe immer wieder Risiken ein. Ich bin ein Risikotyp, der Wert auf Zugewinn legt, nicht auf Bewahrung. Besitzstand interessiert mich nicht sonderlich. Was ich habe verliert schnell mein Interesse. Das Neue ist wichtig, dass noch Unbekannte. Ich würde keinen Gipfel zweimal besteigen. Wenn, dann muss der nächste ein höherer sein, aber auch völlig anders. Ich sammle nicht, horte nicht, belaste mich nicht mit "alten Kram". Was verbraucht ist, von dem wird sich ohne Bedauern getrennt. Damit Platz für das Neue ist. Neu, unbekannt, das scheint vielen Menschen ersteinmal Angst zu machen. Mich macht es eher neugierig. Ich gehe das vermeintliche Risiko ein. Meistens mit Erfolg. Diese Erfahrungen, eine nach der anderen wie an einer Perlenkette gereiht, vermitteln Sicherheit, ganz besonders auch in den großen, existenziellen Dingen. Mehr oder weniger begleitende, von ihrer Natur eher nervige Stofftierängste wie z.B. ungewollt Vater zu werden, lassen sich hervorragend in Schach halten und selbst wenn sie sich dennoch erfüllt hätten, najanu, das Resultat hätte Nerven und Lebensqualität, so wie ich sie definiere gekostet, aber lange nicht das Leben selbst. Wozu also Angst? Ich habe keine wirkliche Angst. Auch nicht vor den großen Herausforderungen. Letztendlich, was soll mir schon passieren? Es kann u.U. den Körper kosten, nicht aber die unsterbliche Existenz. Also, so what? Was soll die Aufregung?
Am Wochenende hat sich nun eine Angst gezeigt, die ursächlich für mein Missempfinden der letzten Jahre ist. Es ist absurd. Ich habe aber allen Anschein nach tatsächlich Angst, dass ich mit fortschreitenden Lebensalter immer weniger Herausforderungen, immer weniger Neues für mich finde. Alles um mich herum erscheint mir alt, verbraucht, abgenutzt, schal, nur allzu gut bekannt und millionfach benutzt. Mir fällt immer weniger ins Auge was noch ungenutzt, was neu und unverbraucht ist. Wo sind die neuen Kontinente, die es abenteuerlich zu entdecken gilt? Der Planet erscheint mir immer winziger, enger, die Konzepte menschlichen Miteinanders weitgehend überholt.
Der Wunsch, das Verlangen nach Extremen nimmt dadurch immer weiter zu. Damit auch der Druck zu handeln, extreme Situationen zu erschaffen. Allein, die Pläne dafür bleiben schwer erkennbar, irgendwo tief im Nebel versteckt, so dass sie unscharf und diffus wirken und damit nicht umsetzbar. DAS macht mir Angst. Eine scheiß Angst. Ich hoffe, ich konnte einigermaßen verständlich erläutern, was da in mir tickt.
Wie ich sagte, zeigte der Film auch Lösungsmöglichkeiten auf. Damit muss ich mich jetzt mal ernsthaft auseinandersetzen. Vielleicht werde ich darüber berichten, wenn ich anfassbare Erfahrungen dazu gemacht habe. Mal schauen. Ich merke aber wie sich der Druck verflüchtigt, die Angst ein Fell kriegt und allmählich zu einem Stofftier schrumpft. Das alles dank dir Tash

Meine obige Aussage, zu der du Stellung nimmst, war ein gewebtes Produkt dieser Angst. Im Grunde war in den Zeilen die Aussage versteckt:
Tja also, wenn es keine neuen Herausforderungen gibt, wenn ich alles gesehen, alles erlebt habe, wenn ich dadurch keine weitere Übungen zum Materieerschaffen in die knetenden Hände bekomme, dann wird diese Existenz für MICH zunehmend überflüssiger. Dann gehört sie auf absehbare Zeit zu den alten Plunder, von dem ich mich lässig und schmerzlos trennen kann. Auf zu neuen, nichtphysischen Ufern.
Ein Irrtum wie sich nun abzeichnet. Man sollte die Dinge eben nicht nach der zwielichtigen Silhouette beurteilen, die sie im Nebel zeigt!
