24.07.2012, 10:27
(23.07.2012, 22:35)Michael schrieb:Omega schrieb:Eigentlich wollte ich hier nicht über Fanatiker diskutieren. Was du hier beschreibst, hat m.E. auch mehr mit Macht und Ohnmachtgefühlen zu tun und ist nicht unbedingt typisch für Fanatiker. Ein einzelner Spieler aus der Fußballbundesliga ist allein auch ein Niemand und wird erst durch die Mannschaft "Jemand".
Michael schrieb:Nunja, in deinem Zitat schreibt Seth ja, dass sich ein Fanatiker für ein machtloses Individuum hält. Der Spieler in der Bundesliga weiß(sofern er kein Fanatiker ist), dass er ohne die Mannschaft nicht spielen kann, während der Fanatiker wohl eher davon überzeugt ist, dass die Mannschaft ohne ihn nicht spielen kann.
Wenn, ja, wenn ich mich auf eine Diskussion über Fanatiker einließe, dann würde ich sagen, dass Seth ja hier ziemlich eindeutig und wörtlich sagt, dass Fanatiker an" die Machtlosigkeit des Individuums glauben" Also an die eigene Machtlosigkeit und die sämtlicher Gruppenmitglieder.
Michael schrieb:Ich weiß ja, dass du nicht über Fanatiker diskutieren wolltest, aber Seth hat ja eindeutige Definitionen geliefert, also brauchen wir ja nicht drüber diskutieren. Aber wir sollten uns drauf einigen, dass Fanatiker nicht mit Menschen vergleichbar sind, die sich gemeinsam für unterschiedlichste Zwecke einsetzen, anderen aber auch ihre Wahl des Lebens zubilligen.
Mit deinem Vorschlag nicht weiter über Fanatiker zu diskutieren bin ich völlig einverstanden, Michael.
Michael schrieb:Zunächst möchte ich deshalb noch einige Zitate einbringen, was Seth zum Fanatiker sagt, da er diese ja als ziemlich krasse Menschen beschreibt. Normale Gruppen von Menschen haben damit ja nichts gemein, also sollte man das nicht vermischen...
Deshalb hier mal deutliche Worte zu Fanatikern:
Seth IuM Si 850 schrieb:Wenn ihr die Welt verbessern wollt, und zwar um
jeden Preis, gleich, auf welche Gefahr hin, und gleich, was es euch und
andere kosten wird, und wenn ihr glaubt, daß dieses Ziel jedes euch zur
Verfügung stehende Mittel rechtfertigt, dann seid ihr Fanatiker.
(22.14 Uhr.) Fanatiker sind Idealisten besonderen Schlages. Sie
nähren gewöhnlich verschwommene und grandiose Träume, und in ihren
hochfliegenden Plänen werden die Kriterien des Alltagslebens völlig
außer acht gelassen. Sie sind unerfüllte Idealisten, die sich nicht damit
zufriedengeben, ihren Idealismus in kleinen Schritten zum Ausdruck zu
bringen, geschweige denn die praktischen Auswirkungen solchen aktiven
Ausdrucks abzuwarten. Sie fordern unverzügliches Handeln. Sie wollen
(lauter) die Welt nach ihren eigenen Vorstellungen umgestalten. Den
Ausdruck der Toleranz oder entgegengesetzter Ideen können sie nicht
ertragen. Sie sind die Selbstgerechtesten der Selbstgerechten, bereit,
praktisch alles aufzuopfern - ihr eigenes Leben und das Leben anderer.
Sie werden, um ihre Ziele zu erreichen, fast jedes Verbrechen
rechtfertigen.
Seth IuM Si 854 schrieb:Diktat: Im Grunde (Pause) glaubt ein Fanatiker, daß er machtlos
ist.
Er hat kein Vertrauen in seine eigene Wesenskraft und in seine
Fähigkeit, erfolgreich zu handeln. Die gemeinsame Aktion erscheint als
der einzig erfolgversprechende Weg, eine gemeinsame Aktion jedoch, in
der jeder einzelne zum Handeln gezwungen werden muß, getrieben von
Angst oder Haß, die provoziert und geschürt werden, denn sonst, so
fürchtet der Fanatiker, würde nicht ein Schritt in Richtung auf »das Ideal
« unternommen werden.
Ja, Danke, dass du den Materialbezug (!) zum Thema, das wir nun nicht mehr diskutieren wollen nochmal hergestellt hast.
Michael schrieb:Ein "Niemand" findet bei sich keine eigene Identifikation, und dadurch ja auch irgendwie keine Individualität.
Omega schrieb:Da verstehe ich nun zwei Dinge nicht.
1.)Seth beschreibt doch häufig, dass gerade unsere jetzige Gesellschaft geprägt ist durch unsere starke individuelle Identifizierung mit dem äußeren Ego, und auf der kollektiven Ebene entsprechend durch die Identifizierung mit der Nation.
Michael schrieb:Ich meine damit nicht, dass er keine Indentifizierung hat, sondern dass er sein Selbst nicht findet oder erkennt. Wenn ich mich für einen Niemand halte, dann erkenne ich ja meine Individualität nicht, weil ein Niemand ja "autark gar nicht da ist". Zumindest stelle ich mir so "einen Niemand" vor. Die Identifikation nur mit dem Ego ist mMn ein ziemliches "Ego-Problem". Bin ich wirklich mit mir und meinem "ganzen Selbst" identifiziert, dann werde ich mich nicht für einen Niemand halten, dann bin ich voll und ganz ich. Und dann brauche ich mir nicht in einer Gruppe, oder sonst wie den Beweis holen, dass ich was Wert bin, das ich "Jemand" bin. Genau die starke individuelle Identifizierung mit dem Ego sorgt ja dafür, dass große Teile des Selbst "ausgeklammert" werden.
Nun habe ich verstanden, was du meinst
Omega schrieb:2.)Welche Beziehung besteht zwischen Identifikation und Individualität?
Michael schrieb:Nun, wenn ich mich selbst nicht identifizieren kann, wie soll ich dann meine Individualität erkennen? Mal ein umgedrehtes Beispiel: Es gibt ja Menschen, die können keine Gesichter erkennen/identifizieren. Für die sieht ein Mensch aus wie der andere. Sie können also keine Individuen sehen.
Ich sehe da schon eine Querverbindung.
Soweit mir bekannt ist, identifizieren Menschen, die keine Gesichter erkennen können ihre Mitmenschen an deren Stimme und Kleidung. Aber das ist eher nicht die Antwort, die ich erwartet hatte.
Michael schrieb:Ein "Jemand" der erkennt sich als Individuum, und kann dann seine eigene Individualität "entdecken".
Omega schrieb:Und die Vorraussetzung dafür ist das Vertrauen in das eigene Selbst und damit in die Eigenmacht?
Michael schrieb:Vielleicht ist die erste Voraussetzung, erstmal zu erkennen, dass man mehr ist als nur das kleine schwache Ego, welches manchmal unter der eigenen Existenz leidet. Und dann sind Vertrauen in das eigene Selbst und die Umsetzung der Eigenmacht mit Sicherheit gute Wegbegleiter, um sich noch besser selbst kennen zu lernen.
PS: im zweiten Zitat wird deine Frage
Zitat:Aber wie kann jemand dazu kommen, in einer Gruppe seine Individualität finden zu wollen?
wie ich finde sehr knackig beantwortet. Ich glaube auch nicht, dass jemand drauf kommt, in einer Gruppe seine Individualität finden zu wollen, daran denkt derjenige bestimmt keine Sekunde....ihn treibt, dass er die Indivudualität in sich selbst nicht findet, dass ist ein ganz anderer Ansatz.
Ja, Danke für deine Antwort.
Gruß
omega
Energie folgt dem Fokus.