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Seperatistische Tendenzen des äußeren Egos
#1
An vielen Stellen spricht Seth über das äußere Ego als wichtiges Instrument um in der physischen Welt agieren zu können. Er betont dabei meistens, dass eine Grenze zwischen innerem und äußerem Ego nur aus Gründen der Verständlichkeit zieht, und dass diese Grenze künstlich ist.

In Zusammenhang mit der Einführung des komplexen Begriffs "Aktion" und den drei kreativen Dilemmas geht er u.a. auf das Identitätsgefühl des Egos ein und der Tendenz des äußeren Egos sich außerhalb von Aktion zu stellen vor allem deshalb, weil das Ego Identität mit Kontinuität und Stabilität gleichsetzt.

Zitat:Es ist jedoch eine falsche Vorstellung, dass Identität von Stabilität abhängig ist. Aufgrund ihrer Eigenschaft sucht Identität ständig Stabilität , während Stabilität aber unmöglich ist.(…)Identität muss nach Stabilität streben, während Aktion die Veränderung suchen muss, aber Identität könnte ohne Veränderung, ohne Aktion nicht existieren, denn sie ist das Ergebnis der Aktion, und sie ist nicht getrennt von ihr, sondern ein Teil von ihr.

Identität ist also die Wirkung einer Aktion auf sich selbst. Ohne Identität wäre die Aktion bedeutungslos, denn es gäbe nichts, worauf die Aktion einwirken könnte. Die Aktion muss daher aufgrund ihrer ureigensten Natur, wegen sich selbst und aufgrund ihrer Handlungen Identitäten erzeugen. Nochmals: Aktion und Identität können nicht von einander getrennt werden. Dies gilt vom Einfachsten bis zum Kompliziertesten.

Ich würde gern eine Diskussion über die Bedeutung der Aktion an dieser Stelle vermeiden, weil Aktion als Vitalität des inneren Universums so allumfassend ist. Als ich in DfS den Satz las, dass alles Aktion ist, war ich schwer in Versuchung das Buch in den nahe gelegenen See, an dem ich lag zu werfen.
Ebenso ist mir nicht daran gelegen, die drei Dilemmas hier ausführlich zu beleuchten, sondern es geht mir eigentlich nur um Dilemma Nr. 3, wenn auch Seth davon spricht, dass sich das eine Dilemma aus dem anderen entwickelt.

Zitat:Das Ego stellt einen Zustand dar, der aus dem dritten kreativen Dilemma resultiert, das eintrifft, wenn das Bewusstsein des Selbst versucht, sich selbst von Aktion abzutrennen.(…) Bewusstsein des Selbst umfasst ein Bewusstsein des Selbst innerhalb, inmitten und als Teil von Aktion. Andererseits umfasst Ego-Bewusstsein einen Zustand, in welchem das Bewusstsein des Selbst versucht, sich selbst von Aktion abzutrennen, ein Versuch auf Seiten des Bewusstseins, Aktion als ein Objekt wahrzunehmen.
Hier sehen wir, dass sich das Ego- Bewusstsein bei dem Versuch bemüht, Aktion nicht nur als von ihm abgetrennt wahrzunehmen, sondern sie auf eine solche Art zu sehen versucht, dass es dem Ego vorkommt als ob die Aktion nicht nur von ihm selbst, also von Ego, abgetrennt ist, sondern dass die Aktion vom Ego ausgelöst wird und vielmehr das Ergebnis als die Ursache der eigenen Existenz des Ego ist.
DfS S. 138

Was ich hier nicht verstehe, ist, warum das Ego die Stabilität der Identität braucht und sich nicht mit Aktion verbinden will, sondern Aktion als etwas Fremdes und daher als etwas Bedrohliches erlebt und versucht, sich davon abzuspalten. M.E. wäre es für das Ego doch viel nützlicher, sich hier kooperativer zu zeigen.

In Sitzung 161 geht es noch mal um das gleiche Thema, hier in Zusammenhang mit Bill Gallaghers Magengeschwür im Besonderen und der Erschaffung von Krankheiten im Allgemeinen.

Zitat:Denn einer der Hauptgründe für die Schwierigkeit (Bills Magengeschwür) liegt darin, dass das Ego der gegenwärtigen Persönlichkeit mit allen Kräften versucht, sich von Aktion weg zu halten. Es versucht, Aktionen zu bezwingen und Aktionen zu bekämpfen, die es nicht selbst in die Wege leitet.
Hier haben wir die Blockierung. Die Persönlichkeit, das gegenwärtige Ego, will sich der Aktion nicht fügen und nicht als teil von ihr mitmachen, sondern versucht, sie in seine Richtung zu zwingen. (…)
Es gibt hier eine Beteiligung, die, wie es scheint, wie es scheint, intensiv ist. Das Ego scheint äußerst intensiv zu sein, aber zu einem großen teil ist dies eine Täuschung, denn die Intensität wird durch den versuch des Egos verursacht, sich nicht an Aktion zu beteiligen, außer das Ego könnte die Aktion beherrschen. Es besteht kein grundlegendes Vertrauen in das innere Selbst. Grundsätzlich erkennt die Persönlichkeit weder die Fähigkeit des inneren Selbst an, noch vertraut sie ihr und das führt zu einer intensiven, unterdrückten Furcht.
Das Ego der Persönlichkeit vertraut seinen eigenen inneren Organismen nicht. Es versucht, abseits von ihnen zu stehen und doch ein Auge auf sie zu halten. Das Ego glaubt nicht, dass es von ihnen richtig behandelt wird. Das Ego befindet sich in seinem gegenwärtige Zustand, weil es sich darüber sorgt, so alleingelassen zu sein, da es sich selbst zu einem großen Maß von seinem inneren Selbst abgetrennt hat; jedoch noch nicht vollständig, denn das Intuitive spricht noch immer.
Es ist keineswegs vollständig untergegangen. Beim Versuch, sich von der Ganzheit der Gesamtpersönlichkeit abzutrennen, gelangt das Ego jedoch bis an die Grenzen seiner Energiereserven, denn es weigert sich heftig, die Energien der Gesamtpersönlichkeit zu akzeptieren, die ihm zur Verfügung stünden.(…)
Genau deswegen, weil die innere Vitalität vom Ego nicht akzeptiert wird, scheint sie dann, wenn sie akzeptiert wird so explosiv. Das Ego versucht, dieses Ego versucht, abseits zu stehen und die Unvermeidlickeit von Veränderung zu verleugnen. Das Ego versucht in diesem fall, wie auch in vielen anderen Fällen, Stabilität und Dauerhaftigkeit um jeden Preis aufrecht zu erhalten.
Diese Ego im Besonderen und auch viele andere Egos nehmen an, dass das Selbst das Ego allein ist. Das Ego ist der Meinung, dass es daher Stabilität und Dauerhaftigkeit aufrecht erhalten muss. Es versucht daher, unbeugsam zu werden, weil es sich selbst als Hauptvertreter des Selbst betrachtet. Es versucht, die inneren Gefühle zu verleugnen, weil die Wechselhaftigkeit dieser Gefühle seine eigene Dauerhaftigkeit bedrohen. Es will sich nicht verändern. Daher kann jeder scheinbar kleine Vorfall die Explosion dieser Gefühle auslösen, ganz entgegen den Neigungen des Egos, genau weil das Ego sie so vehement verleugnet.

Seth führt dann weiter aus, dass es darum gehen muss einzusehen, dass Dauerhaftigkeit und Beständigkeit den Tod des Egos bedeuten würde, da das "Ich" sich in ständiger Veränderung befindet. Und auf Bills Fall bezogen:

Zitat:Wenn das Ego begreift – und das wird es – dass es ein Teil des Gesamtselbst ist und seinerseits ein Teil von Aktion, dann wird es sich in der tat nicht mehr um seine Dauerhaftigkeit sorgen, sondern realisieren, dass seine eigene Natur als Bestandteil von Aktion abhängig ist von Veränderung und von Vitalität und von Werterfüllung.

Ich wiederhole und präzisiere noch mal meine Fragen:
Warum ist das Ego so sehr auf Dauerhaftigkeit, Stabilität, Kontinuität und Ähnlichkeiten fokussiert, vor allem, wenn es um seine Identität geht ?

Geht es wirklich nur darum, dass es sich als "Einzelkämpfer" erlebt und es alles, was nicht eindeutig von ihm selbst kommt, als Bedrohung sehen muss?

Ist es nur ein kognitives Defizit, wenn es sich nicht als Teil des Gesamtselbst begreifen kann?

Wäre hier – wie auch in anderen Fällen- ein kooperatives Verhalten des Egos nicht hilfreicher als Abtrennung?

Gespannt auf eure Antworten, omega
Energie folgt dem Fokus.
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#2
Hochinteressante Auszüge und hochinteressantes Thema!

Das kannte ich noch nicht, finde es hochgradig spannend und werde noch etwas darüber nachsinnen:
Zitat:Es ist jedoch eine falsche Vorstellung, dass Identität von Stabilität abhängig ist. Aufgrund ihrer Eigenschaft sucht Identität ständig Stabilität , während Stabilität aber unmöglich ist.(…)Identität muss nach Stabilität streben, während Aktion die Veränderung suchen muss, aber Identität könnte ohne Veränderung, ohne Aktion nicht existieren, denn sie ist das Ergebnis der Aktion, und sie ist nicht getrennt von ihr, sondern ein Teil von ihr.

Identität ist also die Wirkung einer Aktion auf sich selbst. Ohne Identität wäre die Aktion bedeutungslos, denn es gäbe nichts, worauf die Aktion einwirken könnte. Die Aktion muss daher aufgrund ihrer ureigensten Natur, wegen sich selbst und aufgrund ihrer Handlungen Identitäten erzeugen. Nochmals: Aktion und Identität können nicht von einander getrennt werden. Dies gilt vom Einfachsten bis zum Kompliziertesten.

Bin auch gespannt, was für Antworten kommen.
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#3
@ Omega

Omega schrieb:Ich wiederhole und präzisiere noch mal meine Fragen:
Warum ist das Ego so sehr auf Dauerhaftigkeit, Stabilität, Kontinuität und Ähnlichkeiten fokussiert, vor allem, wenn es um seine Identität geht ?

Geht es wirklich nur darum, dass es sich als "Einzelkämpfer" erlebt und es alles, was nicht eindeutig von ihm selbst kommt, als Bedrohung sehen muss?

Ist es nur ein kognitives Defizit, wenn es sich nicht als Teil des Gesamtselbst begreifen kann?

Wäre hier – wie auch in anderen Fällen- ein kooperatives Verhalten des Egos nicht hilfreicher als Abtrennung?

Deine Fragen sind etwas zu weit gegriffen, um sie auch nur annähernd handlich beantworten zu können. :Kopfkratz:

Kannst du das nicht ein klein wenig spezifizieren? So weiß ich ja gar nicht, wo ich da anfangen sollte :zwinker:

LG Tash
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#4
Ach ja. Eine kleine Schnellantworten hätte ich doch für dich:

Zitat:Warum ist das Ego so sehr auf Dauerhaftigkeit, Stabilität, Kontinuität und Ähnlichkeiten fokussiert, vor allem, wenn es um seine Identität geht ?

Weil andernfalls irdische Existenz wie wir sie kennen nicht möglich wäre.

Aber das sagt alles und nichts - und deshalb wäre eine Eingrenzung der Fragestellung sinnvoll.
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#5
Hi Omega,

ja, finde ich auch, ein sehr spannendes Thema, und paßt gerade ganz hervorragend in meine Denke:a020: .

Omega schrieb:Warum ist das Ego so sehr auf Dauerhaftigkeit, Stabilität, Kontinuität und Ähnlichkeiten fokussiert, vor allem, wenn es um seine Identität geht ?

Ich für meinen Teil denke, dass einer der Hauptgründe darin liegt, dass dem Ego das "objektive" oder ehr "ihm zugängliche Bewusstsein" die Landkarte ist, die es kennt. Und da es darauf bedacht ist, sich darin zurecht zu finden, macht es Sinn, wenn alles an seinem Platz ist. Ich stelle mir das so ähnlich vor wie bei einem Blinden, in dessen Wohnung alles an seinem Platz steht, damit der Blinde sich gut dort zurecht findet. Wenn dort jeden Tag immer wieder alles woanders hingestellt wird, könnte ich mir gut vorstellen, dass der Blinde ziemlich unsicher wird, weil er sich nicht mehr sicher durch seine Umgebung bewegen kann.

Außerdem gibt des ja noch diesen schönen Satz: Was der Bauer nicht kennt, frißt er nicht.

Alles, was das Ego anfassen kann, was es sich erklären kann, was ihm logisch erscheint, was nachvollziehbar und vielleicht auch vor allem "reproduzierbar" ist, gibt dem Ego die Sicherheit, die es "für nötig hält". Grundsätzlich ist es ja oft in den ersten Lebensjahren so, dass z.B. Träume oder "übersinnliche" Erfahrungen von Eltern oder sonst wem "negiert", also für ungültig erklärt werden. Also bleibt dem Ego ja nur das, was es ganz objektiv erleben kann, und das oft für eine lange Zeit. Und dann kommt ein Seth oder das innere Selbst daher, und erklärt dem Ego, dass es Teil eines "grösseren Ganzen" ist, dem noch ganz viele "unvorstellbare" Möglichkeiten zugrunde liegen.

Und nun wird dem Ego abverlangt, dass es "in die zweite Reihe" zurücktreten soll, um sich auf das innere Selbst zu verlassen, welches es aber weder greifen, noch logisch erklären kann. Da kommt meiner Meinung nach beim Ego ganz schnell der Gedanke auf:"Das geht doch nicht mit rechten Dingen zu", und es stellt diese Thesen in Frage, weil es um sich selbst besorgt ist. Und weil es unsicher ist, da Gelerntes vollkommen in Frage gestellt ist.

Das stelle ich mir so vor: jemand fährt über etliche Jahre immer die selbe Strecke, um seine Oma zu besuchen. Derjenige kennt den Weg im Schlaf, jede Kurve, jeden Baum, einfach alles. Und nun, plötzlich, von einem Tag auf den anderen, ist der Weg vollkommen verändert. Das sorgt schon mal für eine mächtige Überraschung, die dem Fahrer einiges abverlangt. Wenn ich mir dann noch vorstelle, der Mensch soll nun auch noch "auf dem Beifahrersitz" Platz nehmen, weil jemand anderes, den er "noch nicht mal richtig" kennt, das Fahrzeug fahren soll, da ist doch dann das Chaos perfekt. Natürlich wäre es an dieser Stelle besser, denjenigen fahren zu lassen, der sich mit den neuen Gegebenheiten auskennt, und kooperativ zu sein, aber ich kann mir auch sehr gut vorstellen, dass in diesem Moment erst mal Bedenken da sein werden, die nicht zu knapp sind.

Omega schrieb:Geht es wirklich nur darum, dass es sich als "Einzelkämpfer" erlebt und es alles, was nicht eindeutig von ihm selbst kommt, als Bedrohung sehen muss?

Ich kenne einen Pferdehof, dort haben wir auf einer Wiese jedes Jahr eine grosse Party veranstaltet. Dafür mussten wir immer ein Kabel und eine dicke Gummimatte über die Straße legen.
Wenn der Bauer morgens oder abends die Pferde über die Straße führte, so taten sich einige sehr schwer damit, einfach über das Kabel oder die Gummimatte drüber zu gehen, weil es für sie unbekannt war. Es waren nicht alle Pferde gleich, einige hatte keine Schwierigkeit, andere mussten quasi gezwungen werden, das "Hindernis" zu überwinden. Das kann man glaub ich ganz gut mit dem vergleichen, zu dem das Ego neigt, wenn ihm Unbekanntes begegnet, was es sich nicht erklären kann.

Omega schrieb:Ist es nur ein kognitives Defizit, wenn es sich nicht als Teil des Gesamtselbst begreifen kann?

Nein, denke ich nicht. Ich vergleiche das mal mit einigen Videospielen, die ich früher gespielt habe. Man hat das Spiel gekauft, und sich erstmal drangesetzt und gezockt. Irgendwann war man durch, und hat sich dann das Lösungsbuch dazu gekauft, um das Spiel nochmal zu spielen, aber um diesmal alle versteckten Geheimnisse, Extras usw. sicher zu finden, weil dann vielleicht am Ende noch das eine oder andere Extralevel zur Verfügung stand. Ich denke, der "Spielspaß" wäre ziemlich verloren gegangen, wenn man schon beim ersten Mal die komplette Lösung vorliegen gehabt hätte. Und so sehe ich das auch bei unserem Dasein: welche Ernsthaftigkeit wäre noch vorhanden, wenn man tatsächlich schon vollumfänglichen Zugriff auf alle Lösungen hätte. Ich denke, dass hier sozusagen das Lösungshandbuch in "vorheriger" Absprache erst mal unter Verschluß gehalten wird, damit man selbst drauf kommt.

Omega schrieb:Wäre hier – wie auch in anderen Fällen- ein kooperatives Verhalten des Egos nicht hilfreicher als Abtrennung?

Da bin ich mir gar nicht so sicher. Das könnte so sein, wenn es aus Situationen, in denen das Ego nicht kooperativ war oder ist, nichts rauszuziehen wäre. Aber ich habe auch schon die Erfahrung gemacht, dass ich sehr viel erfahren konnte, wenn sich das Ego quasi quer gestellt hat. Und ich glaube, je mehr man das Ego ab einem gewissen Punkt einbindet, umso kooperativer wird es. Aber ich denke, dass es auf Druck ehr noch "unkooperativer" wird. Es meint, sich halt selbst am Besten zu kennen. Und noch etwas ist meiner Meinung nach wichtig: wir leben ja in einer Zeit, in der der Begriff "Ellenbogengesellschaft" vielen ja bekannt ist und auch eine gewisse Gültigkeit hat. Wenn man also schon in der Schule lernt, sich gegen andere durchsetzen zu müssen, sich mit anderen zu vergleichen, ausgesiebt zu werden, wenn man schwächer ist, warum sollte das innere Selbst dann nicht auch vom Ego als eine Art "Konkurrent" gesehen werden. Vor allem, wenn man das Gefühl hat, dass dieser "Konkurrent" mit Qualitäten ausgestattet ist, auf die das Ego selbst nicht oder nur beschränkt zugreifen kann. Da kann ich mir schon gut vorstellen, dass so ein kleines Ego allein schon aus Trotz manchmal dichtmacht, weil es vielleicht das Gefühl hat, einen Konkurrenten zu haben, dem es nicht auf Augenhöhe begegnen kann.

Nachdem ich das alles so geschrieben habe, kommt mir der Gedanke gar nicht so abwegig vor, dass das Ego manchmal auf seine eigene Art mit dem inneren Selbst in Konkurrenz steht, und sich sein "besser sein" und "besser wissen" durch "Kontra-Handlung" selbst beweisen will.

Wie gesagt, tolles Thema, und es macht mir wirklich Spaß, mir darüber Gedanken zu machen:Winker: .

LG Michael

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#6
(11.08.2011, 18:19)Tash schrieb: Ach ja. Eine kleine Schnellantworten hätte ich doch für dich:

Zitat:Warum ist das Ego so sehr auf Dauerhaftigkeit, Stabilität, Kontinuität und Ähnlichkeiten fokussiert, vor allem, wenn es um seine Identität geht ?

Weil andernfalls irdische Existenz wie wir sie kennen nicht möglich wäre.

Aber das sagt alles und nichts - und deshalb wäre eine Eingrenzung der Fragestellung sinnvoll.

Ja Tash, das sagt mir eher nichts als alles. Und ich verstehe auch nicht, warum unsere irdische Existenz - so wie wir sie kennen- ein großes Maß an Stabilität (ganz unspezifisch) voraussetzen soll.
Es fällt mir schwer, hier irgendetwas einzugrenzen. Die Frage sehr stark eingegrenzt könnte lauten: Warum sperrt sich das äußere Ego gegen Veränderungen? Lieber wäre mir aber ein großer Fragenspielraum ohne Begrenzung.

Gruß omega


Energie folgt dem Fokus.
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#7
(11.08.2011, 18:49)Michael schrieb: Ich für meinen Teil denke, dass einer der Hauptgründe darin liegt, dass dem Ego das "objektive" oder ehr "ihm zugängliche Bewusstsein" die Landkarte ist, die es kennt. Und da es darauf bedacht ist, sich darin zurecht zu finden, macht es Sinn, wenn alles an seinem Platz ist. Ich stelle mir das so ähnlich vor wie bei einem Blinden, in dessen Wohnung alles an seinem Platz steht, damit der Blinde sich gut dort zurecht findet. Wenn dort jeden Tag immer wieder alles woanders hingestellt wird, könnte ich mir gut vorstellen, dass der Blinde ziemlich unsicher wird, weil er sich nicht mehr sicher durch seine Umgebung bewegen kann.

Außerdem gibt des ja noch diesen schönen Satz: Was der Bauer nicht kennt, frißt er nicht.

Meinst du damit, dass das Ego dem inneren Selbst, das es nicht (gut )kennt, nicht traut, eben weil es unbekannt ist?

Zitat:Alles, was das Ego anfassen kann, was es sich erklären kann, was ihm logisch erscheint, was nachvollziehbar und vielleicht auch vor allem "reproduzierbar" ist, gibt dem Ego die Sicherheit, die es "für nötig hält".
Das ist ja eben meine Frage, Michael. Warum hält das Ego Sicherheit für nötig?
Zitat: Und dann kommt ein Seth oder das innere Selbst daher, und erklärt dem Ego, dass es Teil eines "grösseren Ganzen" ist, dem noch ganz viele "unvorstellbare" Möglichkeiten zugrunde liegen.

Und nun wird dem Ego abverlangt, dass es "in die zweite Reihe" zurücktreten soll, um sich auf das innere Selbst zu verlassen, welches es aber weder greifen, noch logisch erklären kann. Da kommt meiner Meinung nach beim Ego ganz schnell der Gedanke auf:"Das geht doch nicht mit rechten Dingen zu", und es stellt diese Thesen in Frage, weil es um sich selbst besorgt ist. Und weil es unsicher ist, da Gelerntes vollkommen in Frage gestellt ist.

Ich meinte eigentlich ein ganz gewöhnliches Ego, das nie von Seth gehört hat. Das z. B. ständig die innere Vitalität in Form von Impulsen ablehnt. Das nichts akzeptiert, das nicht dem logisch nachvollziehbaren Denkprozess entspringt.

Zitat:Das stelle ich mir so vor: jemand fährt über etliche Jahre immer die selbe Strecke, um seine Oma zu besuchen. Derjenige kennt den Weg im Schlaf, jede Kurve, jeden Baum, einfach alles. Und nun, plötzlich, von einem Tag auf den anderen, ist der Weg vollkommen verändert. Das sorgt schon mal für eine mächtige Überraschung, die dem Fahrer einiges abverlangt. Wenn ich mir dann noch vorstelle, der Mensch soll nun auch noch "auf dem Beifahrersitz" Platz nehmen, weil jemand anderes, den er "noch nicht mal richtig" kennt, das Fahrzeug fahren soll, da ist doch dann das Chaos perfekt. Natürlich wäre es an dieser Stelle besser, denjenigen fahren zu lassen, der sich mit den neuen Gegebenheiten auskennt, und kooperativ zu sein, aber ich kann mir auch sehr gut vorstellen, dass in diesem Moment erst mal Bedenken da sein werden, die nicht zu knapp sind.

Omega schrieb:Geht es wirklich nur darum, dass es sich als "Einzelkämpfer" erlebt und es alles, was nicht eindeutig von ihm selbst kommt, als Bedrohung sehen muss?

Ich kenne einen Pferdehof, dort haben wir auf einer Wiese jedes Jahr eine grosse Party veranstaltet. Dafür mussten wir immer ein Kabel und eine dicke Gummimatte über die Straße legen.
Wenn der Bauer morgens oder abends die Pferde über die Straße führte, so taten sich einige sehr schwer damit, einfach über das Kabel oder die Gummimatte drüber zu gehen, weil es für sie unbekannt war. Es waren nicht alle Pferde gleich, einige hatte keine Schwierigkeit, andere mussten quasi gezwungen werden, das "Hindernis" zu überwinden. Das kann man glaub ich ganz gut mit dem vergleichen, zu dem das Ego neigt, wenn ihm Unbekanntes begegnet, was es sich nicht erklären kann.

Also mal wieder alles individuell?

Zitat:
Omega schrieb:Ist es nur ein kognitives Defizit, wenn es sich nicht als Teil des Gesamtselbst begreifen kann?

Nein, denke ich nicht. Ich vergleiche das mal mit einigen Videospielen, die ich früher gespielt habe. Man hat das Spiel gekauft, und sich erstmal drangesetzt und gezockt. Irgendwann war man durch, und hat sich dann das Lösungsbuch dazu gekauft, um das Spiel nochmal zu spielen, aber um diesmal alle versteckten Geheimnisse, Extras usw. sicher zu finden, weil dann vielleicht am Ende noch das eine oder andere Extralevel zur Verfügung stand. Ich denke, der "Spielspaß" wäre ziemlich verloren gegangen, wenn man schon beim ersten Mal die komplette Lösung vorliegen gehabt hätte. Und so sehe ich das auch bei unserem Dasein: welche Ernsthaftigkeit wäre noch vorhanden, wenn man tatsächlich schon vollumfänglichen Zugriff auf alle Lösungen hätte. Ich denke, dass hier sozusagen das Lösungshandbuch in "vorheriger" Absprache erst mal unter Verschluß gehalten wird, damit man selbst drauf kommt.

M.E. stellt die sich Tatsache, sich als ein Teil des Gesamtselbst zu begreifen noch kein Lösungshandbuch für das tägliche Leben dar.

Zitat:
Omega schrieb:Wäre hier – wie auch in anderen Fällen- ein kooperatives Verhalten des Egos nicht hilfreicher als Abtrennung?

Da bin ich mir gar nicht so sicher. Das könnte so sein, wenn es aus Situationen, in denen das Ego nicht kooperativ war oder ist, nichts rauszuziehen wäre. Aber ich habe auch schon die Erfahrung gemacht, dass ich sehr viel erfahren konnte, wenn sich das Ego quasi quer gestellt hat. Und ich glaube, je mehr man das Ego ab einem gewissen Punkt einbindet, umso kooperativer wird es. Aber ich denke, dass es auf Druck ehr noch "unkooperativer" wird. Es meint, sich halt selbst am Besten zu kennen. Und noch etwas ist meiner Meinung nach wichtig: wir leben ja in einer Zeit, in der der Begriff "Ellenbogengesellschaft" vielen ja bekannt ist und auch eine gewisse Gültigkeit hat. Wenn man also schon in der Schule lernt, sich gegen andere durchsetzen zu müssen, sich mit anderen zu vergleichen, ausgesiebt zu werden, wenn man schwächer ist, warum sollte das innere Selbst dann nicht auch vom Ego als eine Art "Konkurrent" gesehen werden. Vor allem, wenn man das Gefühl hat, dass dieser "Konkurrent" mit Qualitäten ausgestattet ist, auf die das Ego selbst nicht oder nur beschränkt zugreifen kann. Da kann ich mir schon gut vorstellen, dass so ein kleines Ego allein schon aus Trotz manchmal dichtmacht, weil es vielleicht das Gefühl hat, einen Konkurrenten zu haben, dem es nicht auf Augenhöhe begegnen kann.

Meine Meinung dazu ist, dass sich Konkurrenzdenken und Ellenbogengesellschaft eigentlich nur entwickeln können, wenn das Ego Veränderungen ablehnt, Kontinuität sucht und Impulse des inneren Selbst bzw. das innere Selbst als Konkurrent betrachtet.

Zitat:Nachdem ich das alles so geschrieben habe, kommt mir der Gedanke gar nicht so abwegig vor, dass das Ego manchmal auf seine eigene Art mit dem inneren Selbst in Konkurrenz steht, und sich sein "besser sein" und "besser wissen" durch "Kontra-Handlung" selbst beweisen will.

Wie gesagt, tolles Thema, und es macht mir wirklich Spaß, mir darüber Gedanken zu machen:Winker: .
Nach dieser ausführlichen Antwort von dir kommt mir der Gedanke von Tash, das Thema einzugrenzen nicht mehr so abwegig vor. Aber, nein, wäre schade, dann wären nämlich neue Aspekte, die du hier eingebracht hast, verlorengegangen.

Gruß omega

Energie folgt dem Fokus.
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#8
(11.08.2011, 21:29)omega999 schrieb:
(11.08.2011, 18:19)Tash schrieb: Ach ja. Eine kleine Schnellantworten hätte ich doch für dich:

Zitat:Warum ist das Ego so sehr auf Dauerhaftigkeit, Stabilität, Kontinuität und Ähnlichkeiten fokussiert, vor allem, wenn es um seine Identität geht ?

Weil andernfalls irdische Existenz wie wir sie kennen nicht möglich wäre.

Aber das sagt alles und nichts - und deshalb wäre eine Eingrenzung der Fragestellung sinnvoll.

Ja Tash, das sagt mir eher nichts als alles. Und ich verstehe auch nicht, warum unsere irdische Existenz - so wie wir sie kennen- ein großes Maß an Stabilität (ganz unspezifisch) voraussetzen soll.

Die Stabilität ist nicht die Voraussetzung dafür (ganz im Gegenteil). Aber die ganz spezielle (und hoch spezialisierte) Art und Ausrichtung des Bewusstseins, das dem Ego zur Verfügung steht - die ist die Voraussetzung (unter anderem).


Zitat:Es fällt mir schwer, hier irgendetwas einzugrenzen. Die Frage sehr stark eingegrenzt könnte lauten: Warum sperrt sich das äußere Ego gegen Veränderungen? Lieber wäre mir aber ein großer Fragenspielraum ohne Begrenzung.

OK. Wenn ich mal gaaaanz viel Zeit hab ... :zwinker:

LG Tash


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#9
Hi Omega,

Omega schrieb:Meinst du damit, dass das Ego dem inneren Selbst, das es nicht (gut )kennt, nicht traut, eben weil es unbekannt ist?

"Inneres Selbst" ist an sich ja schon ein Begriff, der ja erst mal durch Seth "für uns hier ein Begriff" ist. Frag doch mal Menschen, die Seth nicht kennen, wieviele Definitionen von "inneren Selbst" wirst du wohl bekommen? Wir beschäftigen uns ja hier schon ziemlich intensiv mit dem Thema, mal mehr, mal weniger, aber für mich stellt die "innere Welt" mit dem "inneren Selbst" immer noch eine ziemliche Unbekannte dar. Ich nähere mich langsam an, aber richtig sicher bin ich dabei auch noch nicht. Von daher könnte das schon sein, dass das Vertrauen wegen der Unbekanntheit noch nicht so wirklich hoch ist. Gerade vielleicht für jemanden, der mit den bei Seth oder hier im Forum benutzen Begriffen, Beschreibungen, Zuständen oder was auch immer, noch weniger oder gar nichts anfangen kann.

Omega schrieb:Das ist ja eben meine Frage, Michael. Warum hält das Ego Sicherheit für nötig?

Vielleicht, damit es irgendwann lernen kann, dass diese vermeintliche Sicherheit zum einen nicht wirklich vorhanden und zum zweiten auch gar nicht notwendig ist. Um das erleben zu können, muss vielleicht das Gefühl der vermeintlichen Sicherheit vielleicht erstmal angestrebt werden. Sozusagen beide Seiten der Medaille.

Omega schrieb:Ich meinte eigentlich ein ganz gewöhnliches Ego, das nie von Seth gehört hat. Das z. B. ständig die innere Vitalität in Form von Impulsen ablehnt. Das nichts akzeptiert, das nicht dem logisch nachvollziehbaren Denkprozess entspringt.

Das mit dem daher kommenden Seth war eher überspitzt gemeint. Wie ich ja oben sage, wer von den vielen Nicht-Seth-Lesern kann sich unter dem Begriff "inneres Selbst" oder "innere Vitalität", aus dem "ominöse Impulse" kommen, die nicht logisch nachvollziehbar sind, was vorstellen(ominös meine ich nicht negativ, damit will ich nur ausdrücken, was viele vielleicht mit diesem Begriff in Verbindung bringen, die "Impuls" anders definieren würden, als wir das hier tun).
Daher ist es meiner Meinung nach egal, ob das Ego Seth kennt oder nicht, wenn das Vertrauen und Verständnis für "Innere Welten" (noch) nicht vorhanden ist, wird das Ego mMn ziemlich oft mit Ablehnung reagieren. Vielleicht auch, weil das Ego nicht von den Mitmenschen "als verrückt" abgestempelt werden will. Ich stelle mir mal eine Situation vor:

Ich laufe durch eine Straße. Dort sitzt ein Penner auf der Straße, und ich habe den Impuls, diesem mein ganzes Hab und Gut zu schenken. Klar, meine Umwelt wird meinen GS entsprechend reagieren. Aber wie sicher wäre sich das Ego, die richtige Sache zu tun, es weiß ja erst mal nicht, dass es vielleicht nach der Schenkung der glücklichste Mensch auf der Welt ist. Also wird es vielleicht diesen Impuls infrage stellen, und sich überlegen, was wohl die eigene Frau dazu sagt, wenn es alles an jemand Fremden verschenkt hat. Die würde es doch bestimmt für bekloppt erklären, so der evtl. aufkommende Verdacht. Tja, und ich glaube, spätestens da rückt das Ego vom Impuls ab, weil es vermutlich jeden anderen, der sowas tun würde, auch nicht mehr für zurechnungsfähig hält. Und für verrückt gehalten werden, dass ist glaub ich etwas, was dem Ego ziemlich gegen den Strich geht.

Und da ist es ganz egal, ob derjenige Seth kennt oder nicht.

Omega schrieb:Also mal wieder alles individuell?

Würde ich schon sagen, ist ja sowieso auch nicht jeder mit dem selben "Thema" hier. Es gibt ja auch Menschen, die sich ziemlich von ihren Intuitionen und inneren Eingebungen lenken lassen.

Omega schrieb:M.E. stellt die sich Tatsache, sich als ein Teil des Gesamtselbst zu begreifen noch kein Lösungshandbuch für das tägliche Leben dar.

Nein, aber ich glaube, das ist die Lösung an sich :zwinker: .

Omega schrieb:Meine Meinung dazu ist, dass sich Konkurrenzdenken und Ellenbogengesellschaft eigentlich nur entwickeln können, wenn das Ego Veränderungen ablehnt, Kontinuität sucht und Impulse des inneren Selbst bzw. das innere Selbst als Konkurrent betrachtet.

Das mag durchaus so sein. Auch wenn es vielleicht schwer fällt zu verstehen, bin ich der festen Überzeugung, dass es eine Sinn für die Entwicklung in diese Richtung gibt und gab. Das Auskosten bist ins Detail, auch wenn es nicht immer schön ist, aber "die Erfahrung ist es wert" ;) .

Omega schrieb:Nach dieser ausführlichen Antwort von dir kommt mir der Gedanke von Tash, das Thema einzugrenzen nicht mehr so abwegig vor. Aber, nein, wäre schade, dann wären nämlich neue Aspekte, die du hier eingebracht hast, verlorengegangen.

Tja, so ist das...das eine will man, das andere muss man:mrgreen: .

LG Michael
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#10
Hi Omega,

vielleicht liest Du erst mal weiter in DfS 4, dann hast Du vielleicht auch noch mehr Fragen zum Thema.


Dein Zitat "Denn einer der Hauptgründe für die Schwierigkeit (Bills Magengeschwür) liegt darin..." bezieht sich zu großen Teilen auf Bills Ego. In den folgenden Sitzungen sagt Seth dann noch was Allgemeines über das Ego, also nicht nur über den Bill, und sein Verhältnis zu Aktion.

Vielleicht noch ein Punkt. Das Ego stellt einen Zustand dar, der eintrifft, wenn das Bewusstsein des Selbst versucht, sich selbst von Aktion abzutrennen. Sagt Seth in Deinem Zitat. Ich habe nur den Schlenker mit dem Dilemma rausgenommen. Das Bewußtsein versucht also, sich selbst von Aktion abzutrennen. Dieser Bewußtseinszustand ist das Ego. So.

Das Bewußtsein ist das Subjekt. Jetzt will es sich selbst untersuchen. Du willst Dich selbst untersuchen. Da mußt Du Dich zwangsläufig zum Objekt machen. Du untersuchst Deine linke Hand. Damit machst Du sie zum Gegenstand Deiner Untersuchung, also gedanklich zum Objekt. Das Selbe machst Du, wenn Du einen Gedanken untersuchst. Du bist dieser Gedanke, einerseits, andererseits trennst Du ihn gedanklich ab, um ihn untersuchen zu können. Der untersuchte Gedanke ist Teil Deines Bewußtseins, selbst nach der Abtrennung und während der Betrachtung. Aber Du tust so, als wäre er von Deinem Bewußtsein getrennt, denn sonst könntest Du ihn nicht betrachten. Selbst wenn Du Dein Bewußtsein als Solches betrachtest, ist es in diesem Moment der Betrachtung nicht das gesamte Bewußtsein, sondern der Teil, der betrachtet, kann nicht betrachtet werden. Dazu müßtest Du ihn erst wieder abtrennen. Das geht zwar rasend schnell, aber Bewußtsein muß abtrennen, um betrachten zu können. Oder eben intuitiv erfassen. Dann wird nicht abgetrennt. Das Ego kann übrigens beides, intiuitiv Informationen erfassen und betrachten. Und es kann intuitive Informationen betrachten. Dann trennt es wieder ab.

Das ist ja gerade der Zustand, den viele aus Übungen kennen, wenn das Ego aktiv wird, schließt sich der intuitive Kanal. Klar, weil es abtrennt. Und dadurch wird die Verbindung gekappt. Durch Training kann man die Verbindung halten, und trotzdem mit dem Ego im Hintergrund betrachten. Aber es bleibt eben im Hintergrund. Da gibts sicher noch mehr Möglichkeiten und ich kenne auch nicht alle.

Abtrennung als solche ist ja zunächst mal nichts Negatives, sondern in gewissen Teilen notwendig, um zu verstehen. Du kannst ja mal weiterlesen in DfS 4, Seth erläutert noch so Einiges. Etwa in der Sitzung 165.

LG

Lane
Ich bin ein Erzieher und ich war es in verschiedener Hinsicht während vielleicht mehr Jahrhunderten als mir zuzugeben lieb ist und ich glaube nicht daran, einfache Lösungen anzubieten, denn sie sind wertlos. Die direkte Erfahrung bei diesem Vorgehen wird in der Tat deine eigene sein und weil es deine eigene ist, wird sie Früchte tragen.
DfS 4, Sitzung 162

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#11


Hi Omega!

Warum fragst Du nicht DEIN Ego?

Gruß

PALE
:D
CARPE DIEM
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#12
(11.08.2011, 23:05)Michael schrieb:
Omega schrieb:Das ist ja eben meine Frage, Michael. Warum hält das Ego Sicherheit für nötig?

Zitat:Vielleicht, damit es irgendwann lernen kann, dass diese vermeintliche Sicherheit zum einen nicht wirklich vorhanden und zum zweiten auch gar nicht notwendig ist. Um das erleben zu können, muss vielleicht das Gefühl der vermeintlichen Sicherheit vielleicht erstmal angestrebt werden. Sozusagen beide Seiten der Medaille.

Da kommen wir der Sache m. E. schon näher. Bleibt aber die Frage, warum sich das Ego so unsicher und bedroht fühlt, dass es das Gefühl der Sicherheit der Beherrschung der Aktion, und das Gefühl, dass Aktion von ihm allein ausgeht (zunächst) braucht. Ist es nicht so, dass das Sicherheitsbedürfnis eben aus der Abspaltung vom Gesamtselbst resultiert? Das Ego fühlt sich allein, was es definitiv nicht ist. Es fühlt durch die Abspaltung oder die Leugnung der Verbundenheit auch nicht die Verbundenheit mit allen anderen Individuen oder Allem-was-ist. Daher wird es seine Mitmenschen als potentielle Feinde wahrnehmen, gegen die es sich schützen muss. Das ist meine diffuse Vorstellung dazu.

Zitat:Daher ist es meiner Meinung nach egal, ob das Ego Seth kennt oder nicht, wenn das Vertrauen und Verständnis für "Innere Welten" (noch) nicht vorhanden ist, wird das Ego mMn ziemlich oft mit Ablehnung reagieren. Vielleicht auch, weil das Ego nicht von den Mitmenschen "als verrückt" abgestempelt werden will.

Das hat dann m. E. , wie auch dein Beispiel weiter unten wieder mit Angst vor Veränderung zu tun. Denn nicht nur die Umwelt, die Ehefrau würden ihre Einstellung gegenüber dem Schenker ändern, sondern auch das gesamte Leben des Schenkenden würde sich ändern.

[
Omega schrieb:M.E. stellt die sich Tatsache, sich als ein Teil des Gesamtselbst zu begreifen noch kein Lösungshandbuch für das tägliche Leben dar.

Nein, aber ich glaube, das ist die Lösung an sich :zwinker: .

Kannst du das noch mal erläutern, Michael? Wofür ist das die Lösung an sich?


Gruß omega

Energie folgt dem Fokus.
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#13
(12.08.2011, 01:47)Lane schrieb: vielleicht liest Du erst mal weiter in DfS 4, dann hast Du vielleicht auch noch mehr Fragen zum Thema.

Ich finde, dass ich genug Fragen habe, Lane. Und DfS 4 habe ich inzwischen abgeschlossen, ohne dass mich das in diesem Punkt weiter erhellt hätte.


Zitat:Vielleicht noch ein Punkt. Das Ego stellt einen Zustand dar, der eintrifft, wenn das Bewusstsein des Selbst versucht, sich selbst von Aktion abzutrennen. Sagt Seth in Deinem Zitat. Ich habe nur den Schlenker mit dem Dilemma rausgenommen. Das Bewußtsein versucht also, sich selbst von Aktion abzutrennen. Dieser Bewußtseinszustand ist das Ego. So.

Das Bewußtsein ist das Subjekt. Jetzt will es sich selbst untersuchen. Du willst Dich selbst untersuchen. Da mußt Du Dich zwangsläufig zum Objekt machen. Du untersuchst Deine linke Hand. Damit machst Du sie zum Gegenstand Deiner Untersuchung, also gedanklich zum Objekt. Das Selbe machst Du, wenn Du einen Gedanken untersuchst. Du bist dieser Gedanke, einerseits, andererseits trennst Du ihn gedanklich ab, um ihn untersuchen zu können. Der untersuchte Gedanke ist Teil Deines Bewußtseins, selbst nach der Abtrennung und während der Betrachtung. Aber Du tust so, als wäre er von Deinem Bewußtsein getrennt, denn sonst könntest Du ihn nicht betrachten. Selbst wenn Du Dein Bewußtsein als Solches betrachtest, ist es in diesem Moment der Betrachtung nicht das gesamte Bewußtsein, sondern der Teil, der betrachtet, kann nicht betrachtet werden. Dazu müßtest Du ihn erst wieder abtrennen. Das geht zwar rasend schnell, aber Bewußtsein muß abtrennen, um betrachten zu können. Oder eben intuitiv erfassen. Dann wird nicht abgetrennt. Das Ego kann übrigens beides, intiuitiv Informationen erfassen und betrachten. Und es kann intuitive Informationen betrachten. Dann trennt es wieder ab.


Ja, das habe ich verstanden, Lane und ich kenne das auch von mir selbst z. B. aus der GS-Arbeit, wenn ich den Inhalt meines Bewußtseins untersuche.

Zitat:Das ist ja gerade der Zustand, den viele aus Übungen kennen, wenn das Ego aktiv wird, schließt sich der intuitive Kanal. Klar, weil es abtrennt. Und dadurch wird die Verbindung gekappt. Durch Training kann man die Verbindung halten, und trotzdem mit dem Ego im Hintergrund betrachten. Aber es bleibt eben im Hintergrund. Da gibts sicher noch mehr Möglichkeiten und ich kenne auch nicht alle.

Ja, genau die Erfahrung hab ich in Übungen auch gemacht. Wenn mein Ego aktiv wird macht sich das durch Gedanken bemerkbar, dann ist irgendwann Feierabend mit der Gedankenfreiheit und der gegenwärtigen intuitiven Wahrnehmung. Aber das beantwortet nicht meine Frage.
Ich will hier nicht auf dem spezifischen Fall von Bills Ego herumreiten aber Seth geht hier so plastisch auf das Ego ein, wenn er sagt

Zitat:Genau deswegen, weil die innere Vitalität vom Ego nicht akzeptiert wird, scheint sie dann, wenn sie akzeptiert wird so explosiv. Das Ego versucht, dieses Ego versucht, abseits zu stehen und die Unvermeidlickeit von Veränderung zu verleugnen. Das Ego versucht in diesem Fall, wie auch in vielen anderen Fällen, Stabilität und Dauerhaftigkeit um jeden Preis aufrecht zu erhalten.
Diese Ego im Besonderen und auch viele andere Egos nehmen an, dass das Selbst das Ego allein ist. Das Ego ist der Meinung, dass es daher Stabilität und Dauerhaftigkeit aufrecht erhalten muss. Es versucht daher, unbeugsam zu werden, weil es sich selbst als Hauptvertreter des Selbst betrachtet. Es versucht, die inneren Gefühle zu verleugnen, weil die Wechselhaftigkeit dieser Gefühle seine eigene Dauerhaftigkeit bedrohen.

Mir ist schon klar, Lane, dass du oder sonstwer nichts zu Bills Ego sagen kannst. Aber Seth sagt eben auch, dass das, was für Bill gilt auch für viele andere Egos gilt. Woher genau kommt also die Angst mancher Egos vor Veränderung?

Gruß omega
Energie folgt dem Fokus.
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#14
(12.08.2011, 07:30)PALE schrieb: Hi Omega!

Warum fragst Du nicht DEIN Ego?

Gruß

PALE
:D

Das habe ich als erstes getan, Pale. Aber die Antwort hat mir nicht gefallen, darum behellige ich nun das Forum damit.:mrgreen:

Gruß omega

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#15
Hi Omega,

Omega schrieb:Bleibt aber die Frage, warum sich das Ego so unsicher und bedroht fühlt, dass es das Gefühl der Sicherheit der Beherrschung der Aktion, und das Gefühl, dass Aktion von ihm allein ausgeht (zunächst) braucht.

Naja, unser Ego ist in dieser Dimension ja ziemlich darauf geschult und trainiert, sich mit "greifbaren" Dingen auseinander zu setzen. "Greifbar" definiere ich in der Art, als dass ich Dinge meine, die anfassbar, wiederholbar, kausal usw. sind. Klar, es gibt keine Kausalität, aber ein Ego, welches über diverse Jahre erlebt, dass ein Jahr dem anderen folgt, dass der Tank voll ist, wenn vorher Bezin reingefüllt wurde, dass ein Motor erst läuft, wenn er irgendwie gestartet wurde, tut sich vielleicht schwer damit, auf einem Mal eine vollkommen andere Möglichkeit in Betracht zu ziehen. Es bewegt sich ja quasi auf einem Terrain, welches ihm (zumindest in den meisten Fällen, die ich so kenne) nicht mit in die Wiege gelegt wurde.

Und jetzt stell dir vor, dass Ego soll sich in etwas integrieren, was es nicht "greifen" kann. Vielleicht kommt einfach muffensausen auf. Wenn ich einen Regentropfen nehme, welcher vom Himmel fällt, der unterwegs den Wind spürt, der den Fall spürt, und sich vielleicht als Regentropfen identifizieren kann, welche Angst kommt wohl in ihm auf, wenn er in Richtung Meer fällt, wo er Angst davor hat, sich vielleicht nicht mehr als individuellen Regentropfen erkennen zu können, sondern dort vielleicht zu einem grösseren Ganzen verschmelzt. Kann sich dieser Regentropfen das vorstellen? Da lernt er den ganzen Fall vom Himmel bis nach unten, was es bedeutet, ein individueller Tropfen zu sein, und er weiß dann vielleicht nicht, was später von ihm und seinem Wissen über sich selbst übrig bleibt. Also strampelt der Tropfen vielleicht gegen seinen Fall an, weil es nicht "ent-individualisiert" werden will. Ob das tatsächlich der Fall sein wird, weiß der Tropfen ja erst mal nicht, aber vielleicht sieht er das Risiko, dass es so kommen könnte, als so schlimm an, dass er erst mal nicht ins Meer stürzen will.

Und jetzt kommt eine innere Stimme, welche dem Regentropfen sagt: "hey, du bestehst eh, genau wie das Meer, aus Wasser. Also wird dir nichts passieren, wenn du da rein fällst. Also, wehr dich nicht gegen das "unvermeidliche". Glaubst du, dass dieser Regentropfen direkt mit der absoluten Freude reagiert und sich sofort darauf einlässt, was die innere Stimme gesagt hat?

Klar, ich habe hier den Tropfen mal etwas "vermenschlicht", der Regentropfen stellt seine Integration ins Meer bestimmt nicht in Frage. Aber vielleicht kommt bei dieser kleinen Geschichte über, wie ich das meine.

Omega schrieb:Das hat dann m. E. , wie auch dein Beispiel weiter unten wieder mit Angst vor Veränderung zu tun. Denn nicht nur die Umwelt, die Ehefrau würden ihre Einstellung gegenüber dem Schenker ändern, sondern auch das gesamte Leben des Schenkenden würde sich ändern.

Ja, Angst vor Veränderung vielleicht. Aber ich glaube ehr, dass es die Angst vor "Nicht-Struktur" ist. Stellen wir uns die Situation mal ein wenig erweitert vor:

Dieser Jemand, der den Impuls hat, alles zu verschenken, trifft dabei noch jemand anderen, der ihm sagt: wenn du hier alles verschenkst, dann bekommst du von mir die Sicherheit, dass du alles, was du weggibst, viel schöner und toller wiederbekommst. Hier liegt der Haufen Geld, den wir dafür brauchen werden.
Glaubst du, der jenige hätte jetzt noch die Angst, sich oder etwas zu verändern? Ich denke nein, weil er dann schon eine Struktur hat, wie es weitergeht, wenn er diesen Schritt gegangen ist. Was ist also das Problem? Meiner Meinung nach nicht, einen "eingelaufenen Pfad" zu verlassen, sondern nicht zu wissen, wie der Weg aussieht, den das Ego dann nimmt. Also nicht die Angst vor der Veränderung, sondern die Unsicherheit davor, seine Situation durch Handlung zu verschlechtern.

Ich für meinen Teil glaube, dass unser Ego "beweisabhängig" ist, es will einen Beweis dafür, dass es kausal nachvollziehen kann, dass ihm etwas besseres passiert, wenn es etwas tut. Und selbst, wenn es schon mal den Beweis bekommen hat, dass die Zusammenhänge gar nicht kausal sein müssen, vergisst es das wieder, weil es sich das eigentlich erst mal gar nicht vorstellen kann.

Omega schrieb:Kannst du das noch mal erläutern, Michael? Wofür ist das die Lösung an sich?

Ich für meinen Teil denke, dass unser Ego hier in dieser Realität Erfahrungen macht, um diese vielleicht irgendwann als vollumfängliches und vor allem auch vollbewusstes Bewusstsein bei der Gestaltung von ganzen Welten einzusetzen. Dabei kommt es meiner Meinung nach auch darauf an, dass das Ego lernt, dass es in der Schöpfung von AWI nichts gibt, was nicht sein darf, aber schon Dinge, die es aus natürlicher Ethik heraus nicht kreiert. Ich denke, dass wir hier lernen, nicht alles zu tun, bloß, weil wir es können, also uns diese natürliche Ethik aneignen.

Wenn sich das Ego als Teil des Gesamtselbst erkennt, kommt es meiner Meinung deutlich in diese Richtung vorwärts, weil ich denke, dass das Gesamtselbst diese natürliche Ethik schon besitzt. Und ich denke, wenn das der Fall ist, ist das Ego so weit, dass es selbst zu einer Wesenheit werden kann. Dann ist das "Trainingsprogramm" komplett durchlaufen, und somit ist damit die Komplettlösung des Spiels dann da, mit allen Extra-Leveln. So ist zumindest meine Vorstellung vom Ganzen.

LG Michael
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#16
(12.08.2011, 10:54)Michael schrieb: Klar, ich habe hier den Tropfen mal etwas "vermenschlicht", der Regentropfen stellt seine Integration ins Meer bestimmt nicht in Frage. Aber vielleicht kommt bei dieser kleinen Geschichte über, wie ich das meine.

Ja, ich denke schon, dass ich verstanden habe, was du meinst, auch bei deinen Beispielen in Bezug auf die Kausalität. Toll, Michael, wie dir immer wieder Beispiele aus dem praktischen oder auch aus dem phantastischen Leben einfallen. Andererseits verführen mich deine Beispiele dazu, in eine bestimmte Richtung zu schauen, was ich mit meiner eher abstrakten Frage eigentlich vermeiden wollte.

Zitat: Was ist also das Problem? Meiner Meinung nach nicht, einen "eingelaufenen Pfad" zu verlassen, sondern nicht zu wissen, wie der Weg aussieht, den das Ego dann nimmt. Also nicht die Angst vor der Veränderung, sondern die Unsicherheit davor, seine Situation durch Handlung zu verschlechtern.
Ich für meinen Teil glaube, dass unser Ego "beweisabhängig" ist, es will einen Beweis dafür, dass es kausal nachvollziehen kann, dass ihm etwas besseres passiert, wenn es etwas tut. Und selbst, wenn es schon mal den Beweis bekommen hat, dass die Zusammenhänge gar nicht kausal sein müssen, vergisst es das wieder, weil es sich das eigentlich erst mal gar nicht vorstellen kann.

Du meinst also, dass das Ego eine Veränderung nur dann akzeptiert, wenn ein in seinem Sinne positives Resultat der Veränderung garantiert ist. Bliebe noch zu ergänzen, dass die Frage nach den positiven oder negativen Konsequenzen der Veränderung von den individuellen GS geregelt wird.

Zitat:Ich für meinen Teil denke, dass unser Ego hier in dieser Realität Erfahrungen macht, um diese vielleicht irgendwann als vollumfängliches und vor allem auch vollbewusstes Bewusstsein bei der Gestaltung von ganzen Welten einzusetzen. Dabei kommt es meiner Meinung nach auch darauf an, dass das Ego lernt, dass es in der Schöpfung von AWI nichts gibt, was nicht sein darf, aber schon Dinge, die es aus natürlicher Ethik heraus nicht kreiert. Ich denke, dass wir hier lernen, nicht alles zu tun, bloß, weil wir es können, also uns diese natürliche Ethik aneignen.

Wenn sich das Ego als Teil des Gesamtselbst erkennt, kommt es meiner Meinung deutlich in diese Richtung vorwärts, weil ich denke, dass das Gesamtselbst diese natürliche Ethik schon besitzt. Und ich denke, wenn das der Fall ist, ist das Ego so weit, dass es selbst zu einer Wesenheit werden kann. Dann ist das "Trainingsprogramm" komplett durchlaufen, und somit ist damit die Komplettlösung des Spiels dann da, mit allen Extra-Leveln. So ist zumindest meine Vorstellung vom Ganzen.
Danke, dass du hier deine Vorstellung vom Ganzen nochmal erläutert hast. Bei mir hinterläst deine Antwort ein dezentrales Unbehagen, ohne dass ich zurzeit genau benennen könnte, was mir hier fehlt. Wenn es mir einfällt, werde ich mich wieder melden.

Gruß omega

Energie folgt dem Fokus.
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#17
Hi Omega,

Omega schrieb:Ja, ich denke schon, dass ich verstanden habe, was du meinst, auch bei deinen Beispielen in Bezug auf die Kausalität. Toll, Michael, wie dir immer wieder Beispiele aus dem praktischen oder auch aus dem phantastischen Leben einfallen. Andererseits verführen mich deine Beispiele dazu, in eine bestimmte Richtung zu schauen, was ich mit meiner eher abstrakten Frage eigentlich vermeiden wollte.

Heißt das nun, dass ich auf deine Fragen lieber nicht mehr in meinem Stil antworten sollte? Und ist es nicht notwendig, in alle möglichen(und unmöglichen) bestimmte Richtungen zu schauen, um dann seine Richtung unter den vielen auszusuchen?
Um meine Gedanken dazu brauchbar zu "übersetzen" kann ich das nicht ohne die praktischen oder auch phantastischen Beispiele.

Omega schrieb:Du meinst also, dass das Ego eine Veränderung nur dann akzeptiert, wenn ein in seinem Sinne positives Resultat der Veränderung garantiert ist. Bliebe noch zu ergänzen, dass die Frage nach den positiven oder negativen Konsequenzen der Veränderung von den individuellen GS geregelt wird.

Joa, so würde ich das schon sagen. Zumindest tut es sich wohl schwer damit, so ist zumindest meine Erfahrung. Ich denke, dass der Überlebenstrieb hier in dieser Dimension gegeben ist. Was sichert das Überleben? Mehr! Mehr von allem. Mehr Sicherheit, mehr zu futtern, mehr zu trinken. Ob das immer gut ist, lasse ich mal dahin gestellt sein, aber ich denke, der Überlebensinstinkt oder auch das Ego denken vielleicht in diese Richtung...geht es mir gut, fällt es mir leichter, zu überleben. Geht es mir noch besser, ist das Überleben ja ein Klacks. Andersherum, geht es dem Ego schlecht, tickt es meiner Meinung nach schnell in die andere Richtung: ich tue lieber nichts, dann wird es vielleicht nicht schlimmer. Dass es damit vielleicht sein Problem selbst auslöst, steht dabei gar nicht zur Debatte. In so einem Fall hat man unter Umständen Ursache und Wirkung direkt beieinander: Weil das Ego nichts zum Verändern der Situation tut, geht es ihm schlecht, weil es ihm schlecht geht, tut es nichts zur Veränderung.

Und klar, was positiv oder negativ ist, ist wieder individuell vom einzelnen abhängig.

Omega schrieb:Danke, dass du hier deine Vorstellung vom Ganzen nochmal erläutert hast. Bei mir hinterläst deine Antwort ein dezentrales Unbehagen, ohne dass ich zurzeit genau benennen könnte, was mir hier fehlt. Wenn es mir einfällt, werde ich mich wieder melden.

Dazu vielleicht mein Lieblingszitat von Seth, es hat bei mir zu den Gedanken in dieser Richtung geführt.

Zitat:"Gefährliche Waffen und die Gefahr der Zerstörung sind Offensichtlichkeiten, die euch ins Auge springen. Die Gegenstücke sind nicht so offensichtlich, und doch sind es Errungenschaften, die immens wichtig sind: die vom Menschen mühsam erlernte größere Selbstdisziplin, die dem Menschen bewußt gewordene Notwendigkeit des Mitleidens und Mitfühlens und - als letzte Lektion, die zu lernen ist - seine Ausrichtung auf Kreativität und Liebe, die Zerstörung und Haß ausschließen. Wenn dies gelernt sein wird, ist der Mensch mündig und auf der Höhe seiner ursprünglichen Wesenheit."
(Si. 452, vom 2.12.1968, zitiert nach "Seth-Material", S. 356)

Dein dezentrales Unbehagen würde mich schon interessieren, vielleicht meldet es sich ja so, dass du es hier erläutern kannst.

LG Michael
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#18

Hi Michael,
(12.08.2011, 17:46)Michael schrieb: Heißt das nun, dass ich auf deine Fragen lieber nicht mehr in meinem Stil antworten sollte?

Nein, dein Schreibstil ist völlig in Ordnung, wie auch jeder andere hier im SU. Und die unterschiedlichen Stilrichtungen geben diesem Forum u.a. die Farbe. Mir gefällt auch meistens, wie du deine Beiträge durch Beispiele lebendig machst.

Zitat:Dazu vielleicht mein Lieblingszitat von Seth, es hat bei mir zu den Gedanken in dieser Richtung geführt.

[quote]"Gefährliche Waffen und die Gefahr der Zerstörung sind Offensichtlichkeiten, die euch ins Auge springen. Die Gegenstücke sind nicht so offensichtlich, und doch sind es Errungenschaften, die immens wichtig sind: die vom Menschen mühsam erlernte größere Selbstdisziplin, die dem Menschen bewußt gewordene Notwendigkeit des Mitleidens und Mitfühlens und - als letzte Lektion, die zu lernen ist - seine Ausrichtung auf Kreativität und Liebe, die Zerstörung und Haß ausschließen. Wenn dies gelernt sein wird, ist der Mensch mündig und auf der Höhe seiner ursprünglichen Wesenheit."
(Si. 452, vom 2.12.1968, zitiert nach "Seth-Material", S. 356)

schönes Zitat.

Zitat:Dein dezentrales Unbehagen würde mich schon interessieren, vielleicht meldet es sich ja so, dass du es hier erläutern kannst.


Die Botschaft ensteht bei der EmpfängerIn, und das gilt für dich genauso wie für mich, Michael.
Die Wahrheit ist, dass ich mich heute entgegen meiner Vorsätze und Erwartungen ziemlich heftig und völlig unangemessen lange über jemand geärgert habe. Dabei hab ich mir die meiste Zeit auch noch selbst zugeschaut! Habe die nach altem Muster aufkommenden Groll- und Ärgersätze mit den flankierenden Gefühlen auf der Stelle genau angeschaut, zu mehr Handlung war ich aber nicht fähig.

Wie das mit Gefühlen so ist, es ist inzwischen völlig vergangen. Meine Antwort heute Nachmittag an dich fiel aber noch in die Zeit des abklingenden Ärgers. Das ist wohl bei dir angekommen.
Ich entschuldige mich aber nicht. Du wirst schon wissen, warum du meinen Ärger angezogen hast.

frei von Ärger omega
Energie folgt dem Fokus.
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#19
Hi Omega,

Omega schrieb:Die Botschaft ensteht bei der EmpfängerIn, und das gilt für dich genauso wie für mich, Michael.

Wenn man davon ausgeht, dass immer alles Auslegungssache des Empfängers ist, gebe ich dir recht. Allerdings wird ja jede Botschaft auch mit Inhalt gesendet, weshalb ich heute glaube, dass sich das schon aufteilt. Einzig, was der Empfänger damit macht, ist seine Sache, aber eine mitgeschickte Emotion ist ja in der Botschaft vorhanden.

Omega schrieb:Die Wahrheit ist, dass ich mich heute entgegen meiner Vorsätze und Erwartungen ziemlich heftig und völlig unangemessen lange über jemand geärgert habe. Dabei hab ich mir die meiste Zeit auch noch selbst zugeschaut! Habe die nach altem Muster aufkommenden Groll- und Ärgersätze mit den flankierenden Gefühlen auf der Stelle genau angeschaut, zu mehr Handlung war ich aber nicht fähig.

Wie das mit Gefühlen so ist, es ist inzwischen völlig vergangen. Meine Antwort heute Nachmittag an dich fiel aber noch in die Zeit des abklingenden Ärgers. Das ist wohl bei dir angekommen.
Ich entschuldige mich aber nicht. Du wirst schon wissen, warum du meinen Ärger angezogen hast.

Ah, ok...danke für deine Erläuterung. Allerdings muss ich sagen, dass ich aus deinen Zeilen kein bißchen Ärger rausgelesen oder empfangen habe. Für mich war es die reine Neugierde, was bei dir ein "dezentrales Unwohlsein" ausgelöst hat. Also, ich habe mich in keinster Weise angegriffen gefühlt.
Das ist mal wieder ein schönes Beispiel, wieviel doch bei so einer Kommunikation in schriftlicher Form verloren geht.


LG Michael
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#20
(12.08.2011, 10:18)omega999 schrieb: Mir ist schon klar, Lane, dass du oder sonstwer nichts zu Bills Ego sagen kannst. Aber Seth sagt eben auch, dass das, was für Bill gilt auch für viele andere Egos gilt. Woher genau kommt also die Angst mancher Egos vor Veränderung?

Gruß omega

Hi Omega,

hier noch etwas:
Zitat:Aber Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind als solche für die anderen Aspekte der Persönlichkeit einfach bedeutungslos. Die Vorstellung und Realität von physikalischer Zeit entspricht der Entwicklung des Egos. Das Bewusstsein des Selbst für sich allein, ist sich eurer physikalischen Zeit nicht gewahr. Die physikalische Zeitvorstellung ist ein Produkt der Neigung des Egos, feinere Unterschiede zu machen, damit es seine eigenen Gefühle klassifizieren und kategorisieren und daher identifizieren und ihnen Dauerhaftigkeit geben kann.
In den meisten Fällen ist dieses Arrangement eine hervorragende Arbeitsmethode.
Wenn jedoch das Ego seine kategorisierende Tendenz zu weit rührt, kann es ganze Bereiche wichtiger Aktionen ablehnen, die von der Gesamtpersönlichkeit erfahren wurden. Es kann entscheiden, ganze Bereiche aus verschiedenen Gründen abzulehnen, meistens aufgrund einer falschen Furcht, die darin enthaltenen Aktionen könnten die Dauerhaftigkeit des Egos selbst bedrohen.

DfS 4, Si 165
Zitat:Das Ego streift die oberste Schicht von Realität und Erfahrung. Das ist keine Folge einer angeborenen, ichbezogenen Eigenschaft. Es stimmt, dass das Ego die Verantwortung für die Beziehung zwischen dem Selbst und dem physikalischen Umfeld trägt. Es muss zwangsläufig innerhalb der Grenzen der physikalischen Realität fokussiert sein.
Trotzdem ist es fähig, viel mehr wahrzunehmen als der westliche Mensch ihm erlaubt. Furcht und Ignoranz und Aberglaube begrenzen ganz offensichtlich das Potenzial des Egos und limitieren daher bis zu einem gewissen Grad sogar seine Wirkungskraft innerhalb des physikalischen Universums. Das Ego selbst kann in vielen Fällen gewisse Intuitionen und psychologische Erfahrungen nicht direkt erleben, aber es kann sie insofern erleben, als es sich ihrer auf einer intellektuellen Basis gewahr wird. Wenn Training das Ego dazu zwingt, allzu starr zu werden und seine Wahrnehmung anderer Realitäten zu begrenzen, dann werden die Intuitionen vom Ego nicht akzeptiert, weil intuitive Erfahrungen nicht in das vom Ego angenommene Bezugssystem der Realität hineinpassen. Das Ego wird deshalb, aufgrund seiner Verantwortung, gegen etwas, was es als unbekannte Bedrohung für sein Überleben betrachtet, kämpfen. Es werden völlig unnötige Kämpfe begonnen. Wir wollen das intuitive Verständnis auf einen Punkt bringen, wo es vom Ego akzeptiert wird.
In unseren Traumerfahrungen ist dies daher eines der Ziele, das wir zu erreichen hoffen. Das Ego selbst ist nicht entsprechend ausgerüstet, um direkt in nicht. physische Realitäten einzutauchen. Wenn das Ego jedoch trainiert wird flexibel zu sein, wird es ein solches Wissen vom Unterbewusstsein und voI1 anderen weiteren Horizonten des Selbst akzeptieren.
Unser Ego muss seine Füße fest auf dem Boden behalten können, denn es ist außerhalb der normalen Charakteristika physischer Existenz nicht in seinem richtigen Element, es ist nackt und in einem unvertrauten Umfeld. Sein grundsätzliches Misstrauen gegenüber Traumerfahrungen ist für das Gesamtgleichgewicht der Persönlichkeit notwendig. Die physische Realität ist ein Fels, an den sich das Ego halten muss und von dem es seine Kraft, Energie, Position und den Zweck seiner Existenz bezieht.

Das verschafft das nötige Gleichgewicht und die Kontrolle und als Folge die feste Verankerung der Persönlichkeit im Umfeld, in dem es überleben muss. Ihr habt hier einen der Hauptgründe, warum ihr vom Unterbewusstsein verlangen müsst, dass es euch dazu befähigt, euch an eure Träume zu erinnern. Das Ego sieht keinen Grund für die Notwendigkeit einer solchen Erinnerung und würde aus Prinzip versuchen, sie zu unterdrücken.
Andererseits wird das Ego durch diese ausgezeichnete Balance und diese feinen Kontrollen das aus dem Traumzustand erworbene Wissen akzeptieren, so wie ein Mensch eine Botschaft aus einem fremden Land akzeptiert, in dem er zwar nicht leben möchte und dessen Eigenschaften ihn sowohl verwundern als auch ängstigen. In unseren Traumexperimenten werden wir euch erlauben, dem Ego solche Botschaften zu überbringen. Wir werden versuchen, dieses exotische Land auf eine solche Art zu kartographieren, dass das Ego verstehen kann, welche Art Rohstoffe es dort gibt, die ihm zu seinem eigenen Vorteil gereichen könnten. Wir werden diesen Traumstaat oder -zustand von verschiedenen Perspektiven her erfassen, bis ihr ihn sehr gut kennt.

DfS 4, Si 181

Da oben stehen zwei Sätze, die im Zusammenhang mit Veränderungen stehen:
Unser Ego muss seine Füße fest auf dem Boden behalten können -

Das verschafft das nötige Gleichgewicht und die Kontrolle und als Folge die feste Verankerung der Persönlichkeit im Umfeld
Veränderung bedeutet, es steht nicht mehr mit den Füßen fest auf dem Boden. Veränderung bedeutet Aufgabe des Gleichgewichts.
Eine große Rolle dabei spielt unsere Kultur, in DNdpR gibt es etliche Verweise darauf. So hier:

Zitat:In eurem Erziehungssystem wird - wie schon erwähnt (in der 614ten Sitzung, Kapitel 12, beispielsweise) - das Individuum dazu angehalten, sich vor dem inneren Selbst in acht zu nehmen; darum erwartet der Durchschnittsmensch die Lösung aller seiner persönlichen Probleme von außen, wo sie am allerwenigsten zu finden ist.
DNdpR 677

Zitat:Die Glaubenssätze, die ihr übernehmt, entsprechen also den Vorstellungen eurer Eltern von der Natur der Realität. Sie werden euch durchs lebendige Vorbild, durch verbale Kommunikation und ständige telepathische Rückversicherung übermittelt. Ihr übernehmt Ideen von der Welt allgemein und eurem Verhältnis zu ihr, und durch eure Eltern erhaltet ihr auch eine Vorstellung von dem, wer ihr seid. Ihr übernehmt ihre Ideen über eure eigene Realität.
DNdpR 619

Zitat:Die Natur wurde daher für ihn zum Feind, den es zu beherrschen galt. Doch trotzdem fühlte er sich untergründig auf die Natur angewiesen, denn er hatte sich ja mit der Trennung von ihr von vielen seiner eigenen Gaben abgeschnitten.
An diesem Punkt der Entwicklung wurde das Bewußtsein als solches von den sich in der Folge entwickelnden psychologischen Schulen so mißverstanden, und die nicht anerkannten oder geleugneten Bewußtseinskräfte wurden den unbewußten Anteilen des Selbst zugeschrieben. (Mit Nachdruck:) Ganz natürliche Bewußtseinsfunktionen wurden somit in den »Untergrund« verbannt und vom normalen Gebrauch abgeschnitten.

DNdpR 621

Soweit zu den kulturellen Umständen. Er sagt auch was zu den Kirchen in diesem Zusammenhang. Eine andere Stelle finde ich nicht. Er vergleicht die GS mit mit Organen. Sie wehren sich bisweilen dagegen, ausgetauscht zu werden. Also auch Abwehr der Veränderung. Es gibt viele Aspekte in diesem Themenbereich.

LG

Lane
Ich bin ein Erzieher und ich war es in verschiedener Hinsicht während vielleicht mehr Jahrhunderten als mir zuzugeben lieb ist und ich glaube nicht daran, einfache Lösungen anzubieten, denn sie sind wertlos. Die direkte Erfahrung bei diesem Vorgehen wird in der Tat deine eigene sein und weil es deine eigene ist, wird sie Früchte tragen.
DfS 4, Sitzung 162

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#21


Aber Omega das ist es doch!

Dir gefiel die Antwort Deines EGO`s nicht? WEM gefiel die Antwort nicht? Deinem Hintern?:mrgreen: Oder Deinem EGO. Das EGO hat die Fähigkeit sich vor sich selbst zu verstecken.....wenn man nicht aufmerksam ist!!!

ich führe Selbstgespräche (einmal am Tag muß man sich ja mit einem intelligenten Menschen unterhalten:mrgreen:) und notiere so ganz "nebenbei" den output. Das mache ich seeehhhr häufig!! Das was da bei herauskommt, seziere ich und ziehe meine Schlüsse daraus.

Gruß

PALE
:D



CARPE DIEM
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#22
Hi Lane,
vielen Dank für das Raussuchen der passenden Zitate. In dieser Zusammenstelung haben sie bei mir schon zur Erhellung der Fragen beigetragen, obwohl ich noch nicht auf alle eine eindeutigen Antwort habe.

(13.08.2011, 04:39)Lane schrieb:
Zitat: Die physikalische Zeitvorstellung ist ein Produkt der Neigung des Egos, feinere Unterschiede zu machen, damit es seine eigenen Gefühle klassifizieren und kategorisieren und daher identifizieren und ihnen Dauerhaftigkeit geben kann.
In den meisten Fällen ist dieses Arrangement eine hervorragende Arbeitsmethode.
Wenn jedoch das Ego seine kategorisierende Tendenz zu weit rührt, kann es ganze Bereiche wichtiger Aktionen ablehnen, die von der Gesamtpersönlichkeit erfahren wurden. Es kann entscheiden, ganze Bereiche aus verschiedenen Gründen abzulehnen, meistens aufgrund einer falschen Furcht, die darin enthaltenen Aktionen könnten die Dauerhaftigkeit des Egos selbst bedrohen.

Ich erinnere mich, dass Seth irgendwo schreibt, dass das Ego im Zeitabschnitt, den wir Aufklärung nennen und in dem v.a. die Naturwissenschaften vorangetrieben wurden, begann mit den Kategorisierungen und Klasifizierungen der Natur (auch der eigenen).
Dass die Zeitvorstellung hier eine so wichtige Rolle spielte, war mir bislang nicht so klar.
Es geht dem Ego also um Identität durch Dauerhaftigkeit. Indem das Ego sich, seine Gefühle und Erlebnisse benennt, einordnet v.a. auch zeitlich, verschafft es sich es ein Gefühl von Identität und Kontinuität und damit Dauerhaftigkeit, vielleicht auch Unsterblichkeit.

Zitat:Das Ego streift die oberste Schicht von Realität und Erfahrung. Das ist keine Folge einer angeborenen, ichbezogenen Eigenschaft. Es stimmt, dass das Ego die Verantwortung für die Beziehung zwischen dem Selbst und dem physikalischen Umfeld trägt. Es muss zwangsläufig innerhalb der Grenzen der physikalischen Realität fokussiert sein.
Trotzdem ist es fähig, viel mehr wahrzunehmen als der westliche Mensch ihm erlaubt. Furcht und Ignoranz und Aberglaube begrenzen ganz offensichtlich das Potenzial des Egos und limitieren daher bis zu einem gewissen Grad sogar seine Wirkungskraft innerhalb des physikalischen Universums. Das Ego selbst kann in vielen Fällen gewisse Intuitionen und psychologische Erfahrungen nicht direkt erleben, aber es kann sie insofern erleben, als es sich ihrer auf einer intellektuellen Basis gewahr wird. Wenn Training das Ego dazu zwingt, allzu starr zu werden und seine Wahrnehmung anderer Realitäten zu begrenzen, dann werden die Intuitionen vom Ego nicht akzeptiert, weil intuitive Erfahrungen nicht in das vom Ego angenommene Bezugssystem der Realität hineinpassen. Das Ego wird deshalb, aufgrund seiner Verantwortung, gegen etwas, was es als unbekannte Bedrohung für sein Überleben betrachtet, kämpfen.

Furcht, Ignoranz und Aberglaube begrenzen also das Ego und seine Fähigkeiten und führen zur Ablehnung von Intuition. Bleibt die Frage wo Furcht, Ignoranz und Aberglaube ihren Ursprung haben und warum das Ego so gern daran fest hält. Diese Frage wird nur zum Teil durch das folgende Zitat beantwortet.

Zitat:Unser Ego muss seine Füße fest auf dem Boden behalten können, denn es ist außerhalb der normalen Charakteristika physischer Existenz nicht in seinem richtigen Element, es ist nackt und in einem unvertrauten Umfeld. Sein grundsätzliches Misstrauen gegenüber Traumerfahrungen ist für das Gesamtgleichgewicht der Persönlichkeit notwendig. Die physische Realität ist ein Fels, an den sich das Ego halten muss und von dem es seine Kraft, Energie, Position und den Zweck seiner Existenz bezieht.

Das verschafft das nötige Gleichgewicht und die Kontrolle und als Folge die feste Verankerung der Persönlichkeit im Umfeld, in dem es überleben muss. Ihr habt hier einen der Hauptgründe, warum ihr vom Unterbewusstsein verlangen müsst, dass es euch dazu befähigt, euch an eure Träume zu erinnern. Das Ego sieht keinen Grund für die Notwendigkeit einer solchen Erinnerung und würde aus Prinzip versuchen, sie zu unterdrücken.
Andererseits wird das Ego durch diese ausgezeichnete Balance und diese feinen Kontrollen das aus dem Traumzustand erworbene Wissen akzeptieren, so wie ein Mensch eine Botschaft aus einem fremden Land akzeptiert, in dem er zwar nicht leben möchte und dessen Eigenschaften ihn sowohl verwundern als auch ängstigen. In unseren Traumexperimenten werden wir euch erlauben, dem Ego solche Botschaften zu überbringen. Wir werden versuchen, dieses exotische Land auf eine solche Art zu kartographieren, dass das Ego verstehen kann, welche Art Rohstoffe es dort gibt, die ihm zu seinem eigenen Vorteil gereichen könnten. Wir werden diesen Traumstaat oder -zustand von verschiedenen Perspektiven her erfassen, bis ihr ihn sehr gut kennt.

DfS 4, Si 181

Da oben stehen zwei Sätze, die im Zusammenhang mit Veränderungen stehen:
Unser Ego muss seine Füße fest auf dem Boden behalten können -

Das verschafft das nötige Gleichgewicht und die Kontrolle und als Folge die feste Verankerung der Persönlichkeit im Umfeld
Veränderung bedeutet, es steht nicht mehr mit den Füßen fest auf dem Boden. Veränderung bedeutet Aufgabe des Gleichgewichts.

Das ist mir ein wenig zu platt, Lane. Das Ego führt doch auch bewußt und absichtsvoll Veränderungen im physischen Umfeld durch. Oder meinst du an dieser Stelle nur die für das Ego nicht greifbaren und nicht kategorisierbaren und deshalb nicht akzeptierten Botschaften und Informationen vom inneren Ego z. B. aus Träumen?
Und wie brigst du das mit Michaels These in Zusammenhang, dass das Ego nur Veränderungen akzeptieren wird, von dem es sich ein positives Resultat erwartet?
Oder muss ich hier eindeutiger eine Trennung vornehmen zwischen Veränderungen, die vom inneren Ego angestossen werden und die vom äußeren Ego akzeptiert oder abgelehnt werden können je nach individuellem Stabilitätsgefühl und Sicherheitsbedürfnis und Veränderungen, die auf einer intellektuellen Vorteils - Nachteilserwägungen beruhen?

Zitat:In eurem Erziehungssystem wird - wie schon erwähnt (in der 614ten Sitzung, Kapitel 12, beispielsweise) - das Individuum dazu angehalten, sich vor dem inneren Selbst in acht zu nehmen; darum erwartet der Durchschnittsmensch die Lösung aller seiner persönlichen Probleme von außen, wo sie am allerwenigsten zu finden ist.
DNdpR 677

Zitat:Die Glaubenssätze, die ihr übernehmt, entsprechen also den Vorstellungen eurer Eltern von der Natur der Realität. Sie werden euch durchs lebendige Vorbild, durch verbale Kommunikation und ständige telepathische Rückversicherung übermittelt. Ihr übernehmt Ideen von der Welt allgemein und eurem Verhältnis zu ihr, und durch eure Eltern erhaltet ihr auch eine Vorstellung von dem, wer ihr seid. Ihr übernehmt ihre Ideen über eure eigene Realität.
DNdpR 619
Ja, das ist klar, und dass wir an unseren übernommenen Vorstellungen arbeiten und somit Veränderungen herbeiführen können, die auch von Ego akzeptiert werden auch.

Zitat:Die Natur wurde daher für ihn zum Feind, den es zu beherrschen galt. Doch trotzdem fühlte er sich untergründig auf die Natur angewiesen, denn er hatte sich ja mit der Trennung von ihr von vielen seiner eigenen Gaben abgeschnitten.
An diesem Punkt der Entwicklung wurde das Bewußtsein als solches von den sich in der Folge entwickelnden psychologischen Schulen so mißverstanden, und die nicht anerkannten oder geleugneten Bewußtseinskräfte wurden den unbewußten Anteilen des Selbst zugeschrieben. (Mit Nachdruck:) Ganz natürliche Bewußtseinsfunktionen wurden somit in den »Untergrund« verbannt und vom normalen Gebrauch abgeschnitten.
Ja, eine verhängnisvolle Entwicklung, die uns da die psychologischen Schulen bescherrt haben. Und leider glauben noch viele Egos daran. Das hat sicher einen enormen Beitrag zu den Furcht - und Bedrohungsgefühlen des Egos vor dem "Unterbewußtsein" beigetragen.

Zitat:Soweit zu den kulturellen Umständen. Es gibt viele Aspekte in diesem Themenbereich.

Ja, das ist mir nun auch klar. Deshalb wahrscheinlich auch die rote Karte von Tash. Aber bei Eröffnung dieses thread hatte ich diese Klarheit noch nicht.

Gruß omega

Energie folgt dem Fokus.
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#23
(13.08.2011, 07:46)PALE schrieb: Dir gefiel die Antwort Deines EGO`s nicht? WEM gefiel die Antwort nicht? Deinem Hintern?:mrgreen: Oder Deinem EGO. Das EGO hat die Fähigkeit sich vor sich selbst zu verstecken.....wenn man nicht aufmerksam ist!!!

ich führe Selbstgespräche (einmal am Tag muß man sich ja mit einem intelligenten Menschen unterhalten:mrgreen:) und notiere so ganz "nebenbei" den output. Das mache ich seeehhhr häufig!! Das was da bei herauskommt, seziere ich und ziehe meine Schlüsse daraus.
Nett, Pale, dass du auch mit weniger intelligenten Menschen, als du es selbst bist kommunizierst.
Leider besteht dabei immer die Gefahr, nicht verstanden zu werden. So geht es mir mit deinem Beitrag nämlich.

völlig unitelligent omega

Energie folgt dem Fokus.
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#24

*räusper*

Die fraglichen Aussagen stammen von PALE, nicht von Lane :zwinker:

Und die Frage, WEM die Antwort des Egos nicht gefiel, die hat es durchaus in sich. Ist aber auch nur einer von einer ganzen Reihe von Aspekten, die hier noch nicht mal erwähnt wurden.

Omega schrieb:Deshalb wahrscheinlich auch die rote Karte von Tash.

Jip

Wie Seth so schön sagte: es gibt keine einfachen Antworten :Handkicker: Trotzdem ist es gut, Fragen zu stellen :-))


Schönen Sonntag euch allen :Winker:
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#25
Hi Omega,

in den letzte Tagen habe ich mich aus eigenem Interesse intensiv mit einigen Dingen auseinander gesetzt. Die Ergebnisse daraus bzw. die Ideen dazu passen, wie ich finde, irgendwie auch sehr gut in dein Thema, weshalb ich mir die Freiheit nehme, sie hier mal zu posten:zwinker: .

Dir Frage war ja, warum es dem Ego unter Umständen solche Schwierigkeiten bereitet, sich auf innere Eingebungen einzulassen, warum es Sicherheit, Stabilität, Dauerhaftigkeit braucht.

Bei meinen Überlegungen sind mir folgende Gedanken durch den Kopf gegangen: Was ist, wenn die emotionalen Hinweise oder Eingebungen für das Ego nicht so eindeutig sind, dass sie eine klare Schlußfolgerung, klare Handlung erlauben?

Wie komme ich darauf? Mir ging durch den Kopf, dass (bei mir)viele Situationen und Erfahrungen mit ambivalenten Emotionen verknüpft sind.
Nehmen wir mal ein Kind(Ego), welches vom Vater schlecht behandelt wird. Diese Kind liebt seinen Vater, und gehen wir auch mal davon aus, dass der Vater das Kind trotz schlechter Behandlung auch liebt.
Gleichzeitig wird das Kind vom Vater geschlagen. Also erfährt es in Verbindung mit dem Gefühl der Liebe gleichzeitig Gefühle wie Angst, Wut, Hass, Wertlosgkeit usw.

Über die Zeit wird von dem Kind(Ego) über die Erlebnisse evtl. die Verknüpfung dauerhaft "festgezurrt": Liebe wird mit Angst, Wut und Hass fest verbunden. Es entsteht ein Emotionscocktail, bei dem sich einzelne Emotionen gar nicht mehr eindeutig benennen oder identifizieren lassen(können).

Eine angstauslösende Situation wird dann gleichzeitig unterbewusst vielleicht mit Liebe in Verbindung gebracht, so dass man vielleicht immer wieder schreckliche Wahrscheinlichkeiten wählt, weil man darin unterbewusst Liebe vermutet.

Dadurch verliert das Ego vielleicht über die Zeit den Mut, Dinge zu verändern, oder sich auf seine Intuition zu verlassen, weil die dazugehörigen Emotionen keinen eindeutigen Rückschluss mehr zulassen.

Wenn ich mir so eine Mischung vorstelle, ich denke, man kann das gut vergleichen, wenn man Nutella, Bananen, etwas Kirschsaft und vielleicht ein paar Scheiben Salamie im Mixer verrührt: man bekommt eine Masse, die einen völlig neuen, undefinierbaren Geschmack hat, aus der man den Geschmack der einzelnen Zutaten nicht mehr eindeutig herausschmecken kann.

Es handelt sich dann nicht mehr um eindeutig nachvollziehbare Emotionen, sondern ich habe eine ambivalente Vermischung von schönen und nicht so schönen Gefühlen, was es unter Umständen schwer macht, eine eindeutige Entscheidung zu fällen, da jede Entscheidung dann u.U. gleichzeit mit "gut" und mit "schlecht" verbunden ist.

Wie gesagt, irgendwie fand ich meine Gedanken zu deinem Thema passend.

Hat Seth sich an irgendeiner Stelle mit dieser Ambivalenz von Emotionen beschäftigt? Das würde ich gerne von euch wissen.

LG Michael
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